„Traditionell und seriös“

„Kulinarisch kommt man am Kommunbräu nicht vorbei. Hier wird seriös gearbeitet, die Tradition aufrechterhalten und trotzdem immer darauf geachtet, dass auch Brauhausessen mit Kochkunst zu tun haben kann.“

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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.07.2018, Nr. 26, S. 19
HIER SPRICHT DER GAST
Traditionell und seriös
In Kulmbach kommt man am „Kommunbräu“ nicht vorbei.
Von Jürgen Dollase

Wenn man die Brauereidichte als Maßstab nimmt, ist das Zentrum der Bierkultur weder in Oberbayern noch im Rheinland zu finden. Es liegt im bayerischen Oberfranken, also in der Gegend von Bamberg, Bayreuth – und in Kulmbach, wo 1992 das „Kommunbräu“ als Gegenbewegung zur Industrialisierung der fränkischen Bierlandschaft und zur „Pflege der echten fränkischen Wirtshauskultur“ gegründet wurde. Angesiedelt ist es in den gemütlichen Räumen der Limmersmühle am Rande der Altstadt. Für ein Essen sollte man das Brauhaus abends besuchen, weil es dann zusätzlich eine Tageskarte mit einem ausgeweiteten Angebot gibt.
Die nutzt dann auch der Gast und beginnt mit „Kulmbacher Carpaccio, würzigem Kasseler Kamm, hauchdünn geschnitten mit marinierten Zwiebeln, gestoßenem Pfeffer und Meerrettich“ (7,90 Euro). Es schmeckt würzig und gut, nicht so sehr nach klassischem Kasseler und durch den gestoßenen Pfeffer und den frischen Meerrettich sogar recht abwechslungsreich. Eine solide und eben nicht grobe Qualität hat auch der „Presssack mit Musik – Presssack rot und weiß mit fränkisch süß-saurem Zwiebelsud“ (6,90 Euro). Auch hier dominiert ein guter, fleischiger Geschmack und nicht so sehr der von Salz, und wenn man die Zwiebeln obenauf zur Seite legt, erfüllt der Zwiebelsud sogar die Funktion einer bodenständigen, das Fleisch ergänzenden Würze. Es ist dann auch von Vorteil, dass die Biere (ein wechselndes Monatsbier, ein helles Bier und ein Bernsteinbier) keine herben Kraftprotze sind, sondern sich in das Spektrum vom Essen gut einfügen. Auf diese Weise ergibt sich bei diesen Gerichten ein erstaunlich feines, differenziertes Bild.
Dann geht es an eine regionale Spezialität, das „Süß-saure Geling – ohne Lunge mit viel Herz und Zunge, nach einem alten, feinen Hausrezept, dazu ,a Laabla'“ (mit Semmelkloß 8,50 Euro) ist ein üppig aussehendes Gericht mit viel brauner Sauce und Streifen von Herz, Zunge und Leber darin. Dazu werden rechteckige Knödelscheiben von ausgewogener und bestens zu den Innereien passender Würze serviert. Das ganze schmeckt nur sehr begrenzt nach Innereien, dafür wegen der traditionell mit Lebkuchengewürz abgeschmeckten Sauce auffallend harmonisch und im landläufigen Sinne gut.
Im „Kommunbräu“ ist auch die „Bierhaxn‘ – Schweinehaxe aus dem Backofen mit unserer Bernsteinbiersauce, Sauerkraut und fränkischen Klöß‘ (11,90 Euro) – von guter Qualität. Der Gast schneidet die Haxe sofort bis auf den Knochen, um festzustellen, ob sie dort, wo die Kruste keine Rolle spielt, trotzdem in einem guten, wohlschmeckenden Zustand und nicht – wie so oft in anderen Brauhäusern – ausgetrocknet ist. Hier ist das Fleisch saftig und von einem guten Fleischgeschmack, so dass sich mit den anderen, ebenfalls sensibel abgestimmt wirkenden Zutaten ein angenehmes, durchaus nicht forciert-rustikales Bild ergibt. Die Portionsgröße ist natürlich echt Brauhaus und damit insgesamt das Preis-Leistungs-Verhältnis ein ganz ausgezeichnetes. Kulinarisch kommt man am ,Kommunbräu‘ in Kulmbach nicht vorbei. Hier wird seriös gearbeitet, die Tradition aufrechterhalten und trotzdem immer darauf geachtet, dass auch Brauhausessen mit Kochkunst zu tun haben kann.

Kulmbacher Kommunbräu. Grünwehr 17, 95326 Kulmbach, Tel.: 092 21/84 49 0. https://www.kommunbraeu.de/. Geöffnet täglich von 10 Uhr bis nach Mitternacht, Speisen von 2,90-18,90 Euro. Tageskarte mit wechselndem Angebot.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.07.2018, Nr. 26, S. 19
Ressort: Seitenüberschrift: LEBEN
Ressort: Sonntagszeitung
Serientitel: Hier spricht der Gast
Dokumentnummer: SD1201807015455276
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